Wärmepumpe im Altbau — Geht das?
Warum die Wärmepumpe auch im Bestandsgebäude eine echte Alternative ist — und worauf es wirklich ankommt.
Der Mythos: Nur im Neubau sinnvoll
Einer der hartnäckigsten Irrtümer in der Heiztechnik: Wärmepumpen funktionieren nur im Neubau. Das stimmt so nicht. Moderne Wärmepumpen arbeiten heute auch bei höheren Vorlauftemperaturen effizient und sind für viele Bestandsgebäude eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung.
💡 Fakt: Laut Bundesverband Wärmepumpe wurden 2024 über 40 % aller Wärmepumpen in Bestandsgebäuden installiert — Tendenz steigend.
Der Schlüsselfaktor: Vorlauftemperatur
Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt maßgeblich von der benötigten Vorlauftemperatur ab — also der Temperatur, auf die das Heizwasser erwärmt werden muss. Je niedriger, desto effizienter.
- 30–35 °CIdeal — COP 4,0–5,0Typisch bei Fußbodenheizung. Beste Effizienz.
- 45–55 °CGut — COP 3,0–4,0Funktioniert mit größeren Heizkörpern und teilgedämmten Gebäuden.
- 60–75 °CMöglich — COP 2,5–3,0Hochtemperatur-Wärmepumpen schaffen das. Immer noch günstiger als Gas ab 2027.
COP = Coefficient of Performance. Ein COP von 4 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme.
Was entscheidet, ob es funktioniert?
Drei Faktoren bestimmen, ob Ihr Altbau für eine Wärmepumpe geeignet ist:
Dämmzustand
Die Gebäudehülle bestimmt den Wärmebedarf. Schon eine Teilsanierung (Dach + oberste Geschossdecke) kann die Vorlauftemperatur deutlich senken.
Heizkörpergröße
Größere Heizflächen = niedrigere Vorlauftemperatur. Alte Gussheizkörper sind oft größer als nötig — das ist ein Vorteil.
Fensterqualität
Moderne Fenster mit Zweifach- oder Dreifachverglasung reduzieren Wärmeverluste erheblich. Fenstertausch ist oft eine der effektivsten Einzelmaßnahmen.
Typische Szenarien
So bewerten wir verschiedene Bestandsgebäude:
Altbau mit Fußbodenheizung
Fußbodenheizungen arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen (30–40 °C). Die Wärmepumpe erreicht hier einen COP von 4–5. Keine Anpassungen nötig — einfach umsteigen.
70er/80er-Haus mit Teildämmung
Viele Häuser aus den 70er und 80er Jahren haben bereits eine Grunddämmung und großflächige Heizkörper. Mit Vorlauftemperaturen um 50 °C arbeitet die Wärmepumpe effizient. Eventuell lohnt ein hydraulischer Abgleich.
Ungedämmter Vorkriegsbau mit kleinen Heizkörpern
Hier sind vorbereitende Maßnahmen empfehlenswert: Dachdämmung, Fensteraustausch oder der Tausch einzelner Heizkörper gegen größere Modelle. Oft reichen 2–3 gezielte Maßnahmen, um die Vorlauftemperatur auf ein effizientes Niveau zu senken.
Hybridlösung: Das Beste aus zwei Welten
Wenn die Wärmepumpe allein nicht den gesamten Wärmebedarf abdeckt, gibt es eine pragmatische Lösung: Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast (ca. 80–90 % der Heizstunden), der vorhandene Gas- oder Ölkessel springt nur an den kältesten Tagen ein.
💡 Vorteil: Sofortige CO₂-Reduktion um 50–70 %, ohne dass vorab eine Komplettsanierung nötig ist. Die bestehende Gasheizung dient nur als Spitzenlastabdeckung und kann schrittweise stillgelegt werden.
Kostenvergleich: Wärmepumpe vs. Gas über 15 Jahre
Ein Einfamilienhaus mit 150 m² und einem Verbrauch von 20.000 kWh/Jahr:
Gasheizung
- Anschaffung~10.000 €
- Gaskosten / Jahr~2.400 €
- CO₂-Abgabe / Jahr (steigend)~400–900 €
- 15-Jahres-Kosten~55.000–65.000 €
Wärmepumpe
- Anschaffung~28.000 €
- Förderung (bis 70 %)−12.000–19.000 €
- Stromkosten / Jahr~1.500–1.700 €
- 15-Jahres-Kosten~30.000–42.000 €
* Berechnung basiert auf Strompreis 0,30 €/kWh, Gaspreis 0,12 €/kWh, CO₂-Preis ab 55 €/t (2025) steigend auf ca. 120 €/t (2030+). COP 3,5 angenommen.
Förderung: Bis zu 70 % Zuschuss
Der Staat fördert den Umstieg auf Wärmepumpen großzügig. Die Förderung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:
Grundförderung
Für jeden Eigentümer, der eine alte fossile Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt. Keine Einkommensprüfung.
Klimageschwindigkeitsbonus
Zusätzlich für Eigentümer, die ihre funktionierende Gas- oder Ölheizung (mind. 20 Jahre alt oder Konstanttemperaturkessel) vorzeitig ersetzen.
Effizienzbonus
Für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel (z. B. Propan R290) oder Erdwärme/Grundwasser/Abwasser als Wärmequelle.
Einkommensbonus
Für Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen unter 40.000 € pro Jahr.
⚠️ Wichtig: Die Gesamtförderung ist auf max. 70 % gedeckelt. Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme bei der KfW gestellt werden. Wir übernehmen das für Sie.
Der Vorab-Check: Was ein Energieberater prüft
Bevor wir eine Wärmepumpe empfehlen, prüfen wir systematisch:
- ✓Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 — wie viel Wärme braucht Ihr Haus wirklich?
- ✓Vorlauftemperatur-Analyse — welche Temperatur benötigen Ihre Heizkörper bei −12 °C Außentemperatur?
- ✓Gebäudehülle bewerten — Dach, Fassade, Fenster, Kellerdecke
- ✓Heizkörper-Bestandsaufnahme — Typ, Größe, Lage in jedem Raum
- ✓Stromversorgung prüfen — reicht der Hausanschluss? Ist ein separater Wärmepumpenstromzähler möglich?
- ✓Aufstellort klären — Außengerät: Abstand zum Nachbarn, Schallschutz
- ✓Förderoptionen berechnen — welche Kombination bringt den höchsten Zuschuss?
- ✓Wirtschaftlichkeitsberechnung — Amortisation im Vergleich zu Gas/Öl
Wärmepumpen-Typen im Überblick
Luft-Wasser-Wärmepumpe
Nutzt Außenluft als Wärmequelle. Einfache Installation, kein Erdaushub nötig. COP 3,0–4,5 je nach Außentemperatur. Kosten: ca. 25.000–35.000 € (vor Förderung).
Sole-Wasser-Wärmepumpe
Nutzt Erdwärme über Erdsonden oder Flächenkollektoren. Konstant hoher COP von 4,0–5,5 — unabhängig von der Außentemperatur. Kosten: ca. 35.000–50.000 € (vor Förderung). Erfordert Bohrungen oder ausreichend Gartenfläche.
Wasser-Wasser-Wärmepumpe
Nutzt Grundwasser als Wärmequelle. Sehr hoher COP (5,0+), aber aufwendige Genehmigung und nicht überall möglich. Nur sinnvoll, wenn ein geeigneter Brunnen vorhanden oder realisierbar ist.
Ist Ihr Haus bereit für eine Wärmepumpe?
Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, ob sich eine Wärmepumpe für Ihr Gebäude lohnt — inklusive Fördermittel-Check.