Fachwerkhaus sanieren im Siegerland — ein Praxisbericht
Von der Bestandsaufnahme bis zum Ergebnis: Wie ein typisches Siegerländer Fachwerkhaus energetisch saniert wurde.
Das Ausgangsobjekt
Ein typisches Siegerländer Fachwerkhaus: Baujahr um 1920, teilverputzte Fassade mit sichtbarem Fachwerk an der Giebelseite, Bruchsteinsockel, Satteldach mit Schieferdeckung. Wohnfläche ca. 140 m², bewohnt von einer vierköpfigen Familie.
Zustand vor der Sanierung
- EnergieausweisVerbrauchskennwert 285 kWh/(m²·a)
- HeizungÖl-Niedertemperaturkessel, Bj. 1998, 25 kW
- Heizölverbrauchca. 3.500 Liter/Jahr (≈ 4.200 €)
- FensterEinfachverglasung im EG, Zweifachverglasung (1992) im OG
- DachUngedämmt, Sparren freiliegend im Dachboden
- FassadeFachwerk ohne Dämmung, Gefache mit Lehmausfachung (ca. 15 cm)
- KellerUngedämmt, Bruchsteinwände, feucht im Sockelbereich
Die besonderen Herausforderungen
Sichtfachwerk erhalten
Die Giebelseite mit sichtbarem Fachwerk steht unter Ensembleschutz. Außendämmung ist hier nicht möglich — Innendämmung ist die einzige Option.
Feuchtigkeit im Sockelbereich
Der Bruchsteinsockel hatte keine Horizontalsperre. Aufsteigende Feuchtigkeit musste vor der Dämmung beseitigt werden.
Unregelmäßige Wandstärken
Fachwerkwände sind nicht planeben. Die Innendämmung musste an jede Unregelmäßigkeit angepasst werden — Standardplatten reichen nicht.
Lüftungskonzept im Altbau
Nach dem Fenstertausch und der Abdichtung ist eine kontrollierte Lüftung Pflicht — aber Kanäle im Fachwerk verlegen ist anspruchsvoll.
Die durchgeführten Maßnahmen
- 1
Dachdämmung (Zwischen- + Untersparren)
14.500 €22 cm Holzfaserdämmung zwischen den Sparren + 6 cm Untersparrendämmung. Neue Dampfbremse (feuchtevariabel). Schieferdeckung erhalten.
- 2
Innendämmung Fachwerk-Giebelseite
12.800 €6 cm Kalziumsilikatplatten, vollflächig verklebt mit Kalkputz. Hygrothermische Simulation vorab durchgeführt. Keine Dampfsperre nötig (kapillaraktiv).
- 3
Außendämmung Straßenseite (WDVS)
18.200 €14 cm Holzfaser-WDVS auf der verputzten Straßenseite (kein Fachwerk sichtbar). Silikatputz als Endbeschichtung.
- 4
Fenster-Austausch
16.400 €12 neue Holzfenster mit 3-fach Verglasung (Uw 0,9). Im EG Denkmalschutzfenster mit Sprossen. Fensterlaibungen innen gedämmt.
- 5
Kellerdeckendämmung
5.800 €10 cm Mineralfaser von unten angebracht. Horizontalsperre im Sockelbereich nachgerüstet (Injektionsverfahren).
- 6
Heizungstausch: Luft-Wasser-Wärmepumpe
26.500 €11 kW Monoblock-Wärmepumpe (Propan R290), Aufstellung seitlich am Haus. Pufferspeicher 500 L, Warmwasserspeicher 300 L. Bestehende Heizkörper beibehalten (großzügig dimensioniert).
- 7
Dezentrale Lüftung mit WRG
5.200 €6 dezentrale Lüftungsgeräte (paarweise betrieben) mit 87 % Wärmerückgewinnung. Kernbohrungen rückseitig.
Kosten und Förderung
- Gesamtkosten Maßnahmen99.400 €
- BEG-Zuschuss Gebäudehülle (20 %)−13.540 €
- BEG-Zuschuss Heizung (35 %)−9.275 €
- BEG-Zuschuss Lüftung (20 %)−1.040 €
- Gesamtförderung−23.855 €
- Eigenanteil75.545 €
- KfW Ergänzungskredit (zinsgünstig)75.545 €
Das Ergebnis
285
kWh/(m²·a)62
kWh/(m²·a)- Energieeinsparung78 %
- Neue Heizkosten/Jahr~950 €
- Ersparnis/Jahr~3.250 €
- CO₂-Reduktion~8,5 t → ~1,2 t
💡 Die Familie spart jährlich rund 3.250 € Heizkosten. Bei einem Eigenanteil von 75.545 € und dem zinsgünstigen KfW-Kredit amortisiert sich die Sanierung in ca. 18 Jahren — bei steigenden Energiepreisen deutlich schneller.
Was wir gelernt haben
Fachwerk braucht Erfahrung
Nicht jeder Handwerker kann mit Fachwerk umgehen. Die richtige Auswahl der Fachfirmen war entscheidend — besonders bei der Innendämmung.
Hygrothermische Simulation schützt vor Fehlern
Die bauphysikalische Berechnung vor der Innendämmung hat gezeigt, dass 6 cm Kalziumsilikat die optimale Dicke ist. Ohne Simulation hätte man leicht zu viel oder zu wenig gedämmt.
Wärmepumpe funktioniert auch hier
Trotz Altbau mit Heizkörpern: Nach der Gebäudehüllensanierung sank die Vorlauftemperatur auf 45 °C — ideal für die Wärmepumpe. COP im ersten Winter: 3,6.
Der iSFP hat sich ausgezahlt
Der individuelle Sanierungsfahrplan hat die richtige Reihenfolge vorgegeben und 5 % Extra-Förderung auf jede Gebäudehüllen-Maßnahme gesichert.
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Jedes Fachwerkhaus ist anders. Wir erstellen einen individuellen Sanierungsfahrplan, der Bauphysik, Denkmalschutz und Fördermöglichkeiten optimal vereint.
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