Zum Inhalt springen
← Startseite
Praxisbericht8 Min

Fachwerkhaus sanieren im Siegerland — ein Praxisbericht

Von der Bestandsaufnahme bis zum Ergebnis: Wie ein typisches Siegerländer Fachwerkhaus energetisch saniert wurde.

Das Ausgangsobjekt

Ein typisches Siegerländer Fachwerkhaus: Baujahr um 1920, teilverputzte Fassade mit sichtbarem Fachwerk an der Giebelseite, Bruchsteinsockel, Satteldach mit Schieferdeckung. Wohnfläche ca. 140 m², bewohnt von einer vierköpfigen Familie.

Zustand vor der Sanierung

  • EnergieausweisVerbrauchskennwert 285 kWh/(m²·a)
  • HeizungÖl-Niedertemperaturkessel, Bj. 1998, 25 kW
  • Heizölverbrauchca. 3.500 Liter/Jahr (≈ 4.200 €)
  • FensterEinfachverglasung im EG, Zweifachverglasung (1992) im OG
  • DachUngedämmt, Sparren freiliegend im Dachboden
  • FassadeFachwerk ohne Dämmung, Gefache mit Lehmausfachung (ca. 15 cm)
  • KellerUngedämmt, Bruchsteinwände, feucht im Sockelbereich

Die besonderen Herausforderungen

🏛️

Sichtfachwerk erhalten

Die Giebelseite mit sichtbarem Fachwerk steht unter Ensembleschutz. Außendämmung ist hier nicht möglich — Innendämmung ist die einzige Option.

💧

Feuchtigkeit im Sockelbereich

Der Bruchsteinsockel hatte keine Horizontalsperre. Aufsteigende Feuchtigkeit musste vor der Dämmung beseitigt werden.

🔨

Unregelmäßige Wandstärken

Fachwerkwände sind nicht planeben. Die Innendämmung musste an jede Unregelmäßigkeit angepasst werden — Standardplatten reichen nicht.

🌬️

Lüftungskonzept im Altbau

Nach dem Fenstertausch und der Abdichtung ist eine kontrollierte Lüftung Pflicht — aber Kanäle im Fachwerk verlegen ist anspruchsvoll.

Die durchgeführten Maßnahmen

  1. 1

    Dachdämmung (Zwischen- + Untersparren)

    14.500 €

    22 cm Holzfaserdämmung zwischen den Sparren + 6 cm Untersparrendämmung. Neue Dampfbremse (feuchtevariabel). Schieferdeckung erhalten.

  2. 2

    Innendämmung Fachwerk-Giebelseite

    12.800 €

    6 cm Kalziumsilikatplatten, vollflächig verklebt mit Kalkputz. Hygrothermische Simulation vorab durchgeführt. Keine Dampfsperre nötig (kapillaraktiv).

  3. 3

    Außendämmung Straßenseite (WDVS)

    18.200 €

    14 cm Holzfaser-WDVS auf der verputzten Straßenseite (kein Fachwerk sichtbar). Silikatputz als Endbeschichtung.

  4. 4

    Fenster-Austausch

    16.400 €

    12 neue Holzfenster mit 3-fach Verglasung (Uw 0,9). Im EG Denkmalschutzfenster mit Sprossen. Fensterlaibungen innen gedämmt.

  5. 5

    Kellerdeckendämmung

    5.800 €

    10 cm Mineralfaser von unten angebracht. Horizontalsperre im Sockelbereich nachgerüstet (Injektionsverfahren).

  6. 6

    Heizungstausch: Luft-Wasser-Wärmepumpe

    26.500 €

    11 kW Monoblock-Wärmepumpe (Propan R290), Aufstellung seitlich am Haus. Pufferspeicher 500 L, Warmwasserspeicher 300 L. Bestehende Heizkörper beibehalten (großzügig dimensioniert).

  7. 7

    Dezentrale Lüftung mit WRG

    5.200 €

    6 dezentrale Lüftungsgeräte (paarweise betrieben) mit 87 % Wärmerückgewinnung. Kernbohrungen rückseitig.

Kosten und Förderung

  • Gesamtkosten Maßnahmen99.400 €
  • BEG-Zuschuss Gebäudehülle (20 %)−13.540 €
  • BEG-Zuschuss Heizung (35 %)−9.275 €
  • BEG-Zuschuss Lüftung (20 %)−1.040 €
  • Gesamtförderung−23.855 €
  • Eigenanteil75.545 €
  • KfW Ergänzungskredit (zinsgünstig)75.545 €

Das Ergebnis

Vorher

285

kWh/(m²·a)
Nachher

62

kWh/(m²·a)
  • Energieeinsparung78 %
  • Neue Heizkosten/Jahr~950 €
  • Ersparnis/Jahr~3.250 €
  • CO₂-Reduktion~8,5 t → ~1,2 t

💡 Die Familie spart jährlich rund 3.250 € Heizkosten. Bei einem Eigenanteil von 75.545 € und dem zinsgünstigen KfW-Kredit amortisiert sich die Sanierung in ca. 18 Jahren — bei steigenden Energiepreisen deutlich schneller.

Was wir gelernt haben

Fachwerk braucht Erfahrung

Nicht jeder Handwerker kann mit Fachwerk umgehen. Die richtige Auswahl der Fachfirmen war entscheidend — besonders bei der Innendämmung.

Hygrothermische Simulation schützt vor Fehlern

Die bauphysikalische Berechnung vor der Innendämmung hat gezeigt, dass 6 cm Kalziumsilikat die optimale Dicke ist. Ohne Simulation hätte man leicht zu viel oder zu wenig gedämmt.

Wärmepumpe funktioniert auch hier

Trotz Altbau mit Heizkörpern: Nach der Gebäudehüllensanierung sank die Vorlauftemperatur auf 45 °C — ideal für die Wärmepumpe. COP im ersten Winter: 3,6.

Der iSFP hat sich ausgezahlt

Der individuelle Sanierungsfahrplan hat die richtige Reihenfolge vorgegeben und 5 % Extra-Förderung auf jede Gebäudehüllen-Maßnahme gesichert.

Ihr Fachwerkhaus sanieren?

Jedes Fachwerkhaus ist anders. Wir erstellen einen individuellen Sanierungsfahrplan, der Bauphysik, Denkmalschutz und Fördermöglichkeiten optimal vereint.

Beratung anfragen